Kracauer und die Soziologie

Jörn Ahrens, Susanne Martin

Abstract


Siegfried Kracauer zählt nicht zu den Klassikern der Disziplin, sondern eher zur Fraktion der zwar geläufigen, aber selten systematisch gelesenen Denker. Dies verkennt seine Leistung gerade für die Soziologie. Dank seiner Neugier und Vielseitigkeit bearbeitet Kracauer ein Spektrum an Themen und Fragestellungen, das nahezu beispiellos die gesellschaftlichen und kulturellen Konstellationen und Tendenzen der "klassischen Moderne" erfasst. Dabei überschreitet er souverän fachliche Grenzen, bringt Soziologie, Psychologie, Philosophie, Geschichts-, Literatur- und Filmwissenschaft in Verbindung. Der Beitrag legt dar, dass Kracauer einem Ethos der interdisziplinären Kooperation folgt in der Gewissheit, dass nur eine Vielfalt an Perspektiven die soziale Wirklichkeit einer pluralisierten modernen Gesellschaft zu erschließen vermag. Kracauer steht für eine "Gesellschaftswissenschaft der Interdisziplinarität", die durchaus eine Aktualisierung verdient.

Schlagworte


Kracauer; Gesellschaft; Soziologie; Interdisziplinarität

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Literaturhinweise


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Resch, Ch. 2017: Kaleidoskopisches Denken. Metaphern und Ironie als Erkenntnisinstrumente Siegfried Kracauers. In J. Ahrens, P. Flemming, S. Martin, U. Vedder (Hg.), „Doch ist das Wirkliche auch vergessen, so ist es darum nicht getilgt.“ Beiträge zum Werk Siegfried Kracauers. Wiesbaden: Springer VS, 151–172.


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