„Ich hab‘ einen Standpunkt, das ist der Islam“ Zur biografischen Bedeutung und Funktion radikaler, ideologisierter Islamauslegungen

Anja Frank, Michaela Glaser

Abstract


Warum wenden sich junge Menschen radikalen Varianten des Islam zu? Was macht religiös-weltanschauliche Extremismen attraktiv für sie? Die bisherige Forschung hat zwar einige Risikofaktoren identifiziert, konzipiert Radikalisierung aber häufig als geradlinigen Prozess, an dessen Ende gewaltbereite junge Menschen stehen und fragt zudem selten nach dem subjektiven Sinn, den diese religiös-weltanschaulichen Figuren und Gruppenangebote für die Jugendlichen haben. Im Mittelpunkt des Beitrages stehen biografische Hintergründe, jugendphasenspezifische Momente und Plausibilitätsstrukturen der Hinwendung zu radikalen Auslegungen des Islam. Anhand der Rekonstruktion einer biografischen Erzählung einer jungen Konvertitin werden ineinandergreifende Prozesse von Öffnung und Schließung auf biografischer Ebene gezeigt. Es wird erkennbar, welche biografischen Funktionen die Hinwendung erfüllt, die im Zusammenhang mit der familialen und sozialen Einbindung der Biografin stehen. 


Schlagworte


Islamismus; Radikalisierung; Jugendliche; Biografie

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