Zeithorizonte und Gegenwartsvorurteile des Entwerfens aus wissenssoziologischer Sicht

Dietmar Rost

Abstract


Das gesellschaftliche Handeln verbindet sich mit immer weiter in die Zukunft reichenden Nebenfolgen für Natur und Gesellschaft, mit anthropogenen globalen Umweltproblemen. Für das Entwerfen ergibt sich daraus die Herausforderung des Umgangs mit weit in die Zukunft reichenden Zeiträumen. Vor diesem Hintergrund fragt der Beitrag zunächst nach Zeitstrukturen des Entwerfens, um dann auf Potentiale, Schwellen und Grenzen eines auf längerfristige Zukunftshorizonte ausgerichteten Entwerfens eingehen zu können.

Ausgangspunkt dieser Überlegungen ist Alfred Schütz' Verständnis von Entwurf und Entwerfen als Elementen jeglichen Handelns sowie der sich dabei ergebenen Zeitstruktur, die eng mit dem Erinnern von Zukünftigem und Vergangenem verbunden ist. Aus diesem auf alle Formen des Handelns bezogenen allgemeinen Verständnis sollen dann für die Entwurfsforschung, d. h. für das Entwerfen in einem engeren Sinne, gültige Bestimmungen gewonnen werden. Die in Sozialphänomenologie, Wissenssoziologie und Zeitforschung häufig angesprochenen Zeitdimensionen der inneren, sozialen und äußeren Zeit werden dazu in ihrem Zusammenhang betrachtet, um sowohl die Plastizität als auch die Grenzen und Schwellen der Entwicklung jener längerfristigen Zeithorizonte zu erfassen, die ein an Nachhaltigkeit orientiertes Entwerfen verlangt.


Schlagworte


Entwerfen; Nachhaltigkeit; Zeithorizonte; Zukunftsgedächtnis

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